US-Stützpunkte in Hessen

Den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) bietet ihr weltumspannendes Stützpunktesystem die Infrastruktur für ihre globale Machtprojektion. Den nachhaltigen Rahmen dafür bildet das Strategiepapier „Joint Vision 2020„ aus dem Jahr 2000, das bis zum Jahr 2020 für das US-Militär eine „Full-spectrum Dominance„ („Überlegenheit auf allen Gebieten„) anstrebt. Die Theorie besagt, dass eine militärische Überlegenheit nur dann erreicht ist, wenn sie sowohl an Land, im und unter Wasser und in der Luft als auch im Weltraum und im Cyberspace besteht. Praktisch bedeutet das: „Aufgrund der globalen Natur unserer Interessen und Verpflichtungen, müssen die USA ihre militärische Präsenz in Übersee sowie ihre Fähigkeit, schnell weltweit Macht ausüben zu können, erhalten, um eine Dominanz auf allen Gebieten zu erhalten.„ (Sabine Lösing, Militärbasen: Die Infrastruktur westlicher Kriegsführung, Juni 2010, S. 7). Im Wesentlichen kommen den Militärbasen vier Hauptfunktionen zu. Sie dienen a) der Eindämmung potenzieller Rivalen und b) der Kontrolle wichtiger Ressourcen und Transportwege, beeinflussen c) die Gastländer und dienen d) als Logistikdrehscheiben und Sprungbretter für Militärinterventionen (vgl. a.a.O., S. 4f). Die USA verfügen über das mit großem Abstand umfangreichste Stützpunktesystem mit – nach eigenen Angaben – 716 Basen in fast 40 Ländern (Base Structure Report 2009, Stand 30.09.08). Dabei sind jene im Irak (über 100) und Afghanistan (180) noch nicht einmal aufgeführt. Die meisten Stützpunkte außerhalb des Heimatlandes unterhalten die USA in der BR Deutschland (235) vor Japan (123) und Süd-Korea (87). Die US-Streitkräfte hatten Ende September 2008 in der BR Deutschland 54.120 SoldatInnen stationiert. Genau zwei Jahre zuvor waren es noch 64.000 gewesen.

Die US-Administrationen vollziehen einen Abzugs- und Konzentrationsprozess ihres Militärs hierzulande, der 2004 von George W. Bush eingeleitet wurde und bei etwa 43.000 SoldatInnen enden soll. Waren Ende September 2006 in Hessen noch 11.293 US-SoldatInnen stationiert, so waren es genau zwei Jahre später lediglich noch 2.970. Die verteilten sich 2008 auf drei Standorte: Wiesbaden (2.774), Darmstadt (169) und Hanau (17), wobei aus Darmstadt und Hanau die letzten Soldaten 2010 abzogen wurden und Wiesbaden zum Hauptquartier der US-Landstreitkräfte in Europa ausgebaut wird.