Betriebe mit militärisch verwendbaren Produkten in Hessen

Im Folgenden werden Betriebe und Betriebsteile in Hessen beschrieben, die militärisch verwendbare Produkte herstellen, vertreiben, lagern oder mit ihnen Dienstleistungen verrichten. Das sind meistens wehrtechnisch orientierte Industriebetriebe der Metallbranche. Es finden sich aber auch Firmen in Hessen aus den Branchen Elektronik und Optronik, Software und Textilverarbeitung. Zudem sind Anwaltskanzleien, Notariate und Lobby-Organisationen erfasst. Dabei konnten längst nicht alle Betriebe erfasst werden, sondern nur diejenigen, die sich öffentlich – im Internet, Fachzeitschriften und Anzeigen – als solche zu erkennen geben.

Die Angaben über die Produktpalette, die Umsätze und Beschäftigtenzahlen, die aus öffentlich zugänglichen Quellen verfügbar sind, sind lückenhaft. Somit kann es keine gesicherten Zahlen über den Umfang und die Beschäftigtenzahlen der Rüstungsproduktion in Hessen geben. Allerdings gibt es Anhaltspunkte, die grobe Schätzungen zulassen. Ausgehend von einer Untersuchung aus dem Jahr 1992 (HLT Gesellschaft für Forschung Planung Entwicklung mbH, Abrüstung in Hessen, HLT Report Nr. 357, Band 2, Wiesbaden), die Anfang der 1990er Jahre in Hessen 7.000 Personen direkt der Rüstungsproduktion zugerechnet hat, lässt sich die Zahl für 2010 abschätzen. Im Jahr 1990 waren in Westdeutschland etwa 110.000 Personen in der Wehrtechnik beschäftigt, heute geht der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) von ca. 80.000 aus, wobei Rüstungsbetriebe auf dem Gebiet der ehemaligen DDR heute kaum ins Gewicht fallen dürften.

Setzen wir voraus, dass der Arbeitsplatzabbau im wehrtechnischen Bereich bundesweit gleichförmig verlaufen ist, dürfte die Zahl der direkt mit Rüstungsproduktion in Hessen Beschäftigten um 5.000 Personen liegen. Bei 2,882 Millionen Erwerbstätigen in Hessen (2009) sind dies 0,17 Prozent – eine volkswirtschaftlich kaum ins Gewicht fallende Größe.

Der Umsatz der Rüstungsproduktion Hessens lässt sich ebenfalls abschätzen. Bundesweit stellen 80.000 MitarbeiterInnen (laut Bundesverband der Deutschen Industrie) Rüstungsgüter im Wert von 17 Milliarden Euro her. Setzen wir eine gleichmäßige Verteilung der Produktivität in der BR Deutschland voraus, dürften die 5.000 Rüstungsbeschäftigten in Hessen daran mit 1 bis 1,5 Milliarden Euro beteiligt sein. Das sind etwa 0,5 bis 0,7 Prozent des hessischen Bruttoinlandsprodukts von 216,5 Milliarden Euro (2009) – auch dies ist volkswirtschaftlich nur von geringer Bedeutung.

Gleichwohl bedürfte es großer Anstrengungen, um eine Umstellung der Produktion auf zivile Produkte mit Hilfe von Geldern vom Land, vom Bund und der EU herbeizuführen. Das gilt insbesondere dort, wo es eine Ballung von Rüstungsproduktion gibt wie in Kassel. Dort liegt der Schwerpunkt der Rüstungsbetriebe Hessens. Etwa die Hälfte aller in Hessen in der Rüstung Beschäftigten sind in Kassel tätig.

Abkürzungen im Folgenden: Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB), Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV), Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffungen (BWB), Bundesamt für Informationsmanagement und Informationstechnik der Bundeswehr (IT-Amt Bw), Strategie und Technik (SuT)